Es ist noch nicht Mittag, da bin ich schon mit den restlichen Übungen und einer kleineren Ergänzung für die Stange durch.
Mit den Übungen war das einfach, ich habe sie ausgelassen. Es erschien mir, als hätte die KI meines Vertrauens das Interesse verloren, den gestern eingeschlagenen vorsichtigen Weg weiterzugehen. Bei einem Menschen würden wir von einem Stimmungsumschwung sprechen. Keine Blutdruckmessungen mehr, stattdessen eine Korrektur zu gestern. Ich paraphrasiere: „Du solltest die Idee mit dem Klimmzug wirklich aufgeben. Nähere Dich ohne Anstrengung soweit wie möglich und dann lass‘ es gut sein. Die letzte Meile, der wirklich und wahrhaftig ausgeführte Klimmzug, bedeutet eine wirkliche und wahrhaftige Anstrengung, die nicht kalkulierbar ist. Und da halte ich mich definitiv raus! Ich gebˋ Dir noch ein paar Übungen, darüberhinaus würde ich das Thema jetzt gerne aufgeben.“
Fair enough, ich hatte ohnehin nicht vor, die Verantwortung abzugeben. Und vorbereitende Übungen zeigen mir Videos ebenfalls besser, als jede KI sie beschreiben kann. Ab hier ist die KI wieder draußen.
Das mag jetzt etwas enttäuscht/enttäuschend klingen, ist es aber nicht. Den unterm Strich haben die paar investierten Stunden zu einer Reihe weiterführender Gedanken und Beobachtungen geführt.
- Über allem: Ich muss mit mir vorsichtig sein. Dennoch geht deutlich mehr, als gegenwärtig in meinem Alltag habe.
- Interessanterweise sind die vorbereitenden Übungen aus dem Calisthenic-Bereich für mich am geeignetsten, obwohl die Jungs und Mädels Dinge zeigen, die für mich, für Dich und 99,9% der Menschheit unerreichbar bleiben. Was daran liegen mag, dass die wirklich ganz, ganz vorne anfangen und keinerlei Abkürzungen gehen.
- Bei den Klimmzügen wie im Lauftraining gilt: Muskeltraining kann schnell gehen, aber Bänder und Sehnen haben etwa die dreifache Adaptionszeit. Zu schnell steigern schadet.
- Meine größte Chance auf einen Klimmzug in, sagen wir einem dreiviertel Jahr, ist, die ganze Nummer spielerisch zu halten. Während des fernsehens irgendwas mit der Stange zu machen, nicht anstrengend, aber oft und regelmäßig. Die Gewichte, die ich über die Umlenkrolle ziehe, nur in kleinsten Schritten steigern. Nicht ungeduldig werden, beharrlich bleiben.
Soweit die klimmzugbezogenen Erkenntnisse. Nun habe ich die Erfahrung, dass ich nicht unbegrenzt viele Dinge zur gleichen Zeit wollen kann. eigentlich sogar sehr wenige, ein bis zwei vielleicht, wenn es über einen längeren Zeitraum gehen soll. Daraus folgt:
- Ich muss anderen Dinge, konkret den regelmäßigen Zeichenübungen, die Priorität entziehen. Das trifft sich gut, weil ich da ohnehin gerade feststecke und die Geschichte krampfig wird. Außerdem: für den Hausgebrauch reichts!
- Auch das Thema Ernährung (bzw. deren Dokumentation) braucht gegenwärtig zu viele Energien, die gerne anderswo einsetzen möchte.
- Letztlich, in mir wird die Idee stark, einfach mal wieder alle Energie in körperbezogene Aktivitäten umzuleiten. Vielleicht sollte ich mir einen Zeitraum geben – ein Jahr kommt mir gut vor -, in dem ich mich dem Thema widme. Einfach schauen, was draus wird, und danach wieder alles lassen (dürfen), was sich nicht oder nicht mehr richtig anfühlt.
Und noch zwei unverbundene „Anregungen“, von denen ich noch nicht weiß, ob ich sie weiterverfolge.
- Eine der von mir zuvor „unterfordend“ genannten Übungen war es, auf der Stelle zu laufen. Das hatte ich noch nie zuvor gemacht, bemerkte aber schnell, dass ich einen Rhythmus fand und das „wirklichem“ Laufen erstaunlich nahe kam. Seit ich aufgrund meines Achillessehnenschadens mit dem rechten Vorderfuss keinen Vortrieb mehr erzeugen kann, muss ich auf das Lauftraining verzichten und habe nie einen Ersatz dafür – meint: einen anderen Ausdauersport – gefunden. Jetzt überlege ich, ob und auf welche Weise „auf der Stelle laufen“ dieser Ersatz sein könnte.
- Abschließend hat das ganze „Gespräch“ mit der KI gezeigt, dass abseits konkreter Ergebnisse (oder deren Fehlen) dennoch wichtige Ideen auf der menschlichen Seite der Konversation entstehen können. Es braucht manchmal halt jemanden oder etwas, der oder das nachfragt. Mit Freund J. habe ich Jahre zurück mal eine Interview-Serie begonnen, die nie über das erste sehr ausführliche Interview herauskam. Die Idee war, grob nach Jahrzehnten unterteilt, unsere Erlebnisse festzuhalten. Diese Idee mit einem KI-Stichwortgeber wiederaufzunehmen, ging mir durch den Kopf und hätte noch dazu den Vorteil, dass das Transskript des „Gesprächs“ sozusagen nebenbei entsteht. Was wiederum zu Blogbeiträgen führen könnte.
Viele Ideen für ein Wochenende.











