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Stellt Euch vor Ihr steht morgens um Viertel nach sechs auf, nur damit Ihr kurz vor acht vor der Praxis Eures Docs steht. Nichts Ernstes, eine Blutabnahme, deswegen hat Euch die Praxishelferin auch ganz unbestimmt für „nächste Woche irgendwann zwischen sieben und acht“ bestellt. Und dann das:
Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen in solchen Situationen geht, aber bei mir führt das dazu, dass dann auch den Rest des Tages nur noch wenig läuft. Von daher, nur wenig gelaufen heute!
<O>
Wow, das ist eine Premiere für Euch und mich. Ihr seid live dabei, wie ich entdecke, dass ich mal wieder einfach nicht richtig hingeschaut habe. Die Praxishelferinnen, die das Blut entnommen hätten, wären da gewesen, wenn ich nur gewartet hätte. Ich bemerke das erst jetzt beim Betrachten des hochgeladenen Bildes. Ihr glaubt gar nicht, wie blöd ich mir gerade vorkomme.
Und dem ist nichts hinzuzufügen.
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Einen Tag später, 8.50 Uhr. Heute ist bezüglich der Blutentnahme alles gutgegangen. Pünktlich in der mit genau einer Arzthelferin besetzten Praxis angekommen, wenige Menschen mit meist nebensächlichen Anliegen vor mir. Blutentnahme maximal 10 Minuten nach Betreten der Praxis. Und Tschüß. Eigentlich genau der Rein-raus-Job, den ich mir für gestern gewünscht habe.
Das alles ist wenig berichtenswert. Interessanter finde ich, was ich mangels eines besseren Begriffs meinen inneren Dialog nennen möchte – der allein schon deswegen kein Monolog ist, weil ich durchaus nicht immer einer Meinung mit mir bin. So verstehe ich zum Beisiel gut, dass wirklich aktuelle Blutwerte für eine wirklich aktuelle Beurteilung wichtig sind (Stimme aus dem Off: „Schreib‘ sein können!“). Dennoch hadere ich seit gestern morgen mit dieser Notwendigkeit (Stimme: „Nichts daran ist notwendig, aber lass‘ halt stehen, Wünschenswertigkeit willst nichtmal Du als Wort erfinden.“). Den Frühstückskaffee und die Fahrradfahrt gestern morgen habe ich damit verbracht, dem die Blutwerte anfordernden Arzt die Kompetenz zu schmälern (freundlich ausgedrückt). Das bedarf durchaus einiger logischer Verrenkungen, denn: siehe oben, alles wünschenswert.
Aber (um den metaphorischen Anderen mal an die Tastatur zu lassen) was die Fachkraft nicht bedacht hat, ist die Reibung, die so ein Arztbesuch erzeugt. Einfach mal so behauptet, das hat der nicht bedacht. Kann er ja auch nicht. Weil er mich nicht kennt. Allein das frühe Aufstehen. Okay, das kennt er vielleicht von sich, fand er vermutlich gar nicht schlimm, der Einserschüler, wie hätte er sonst Facharzt werden können. Ärzte halt, möglichweise kompetent, gerne umgekehrt proportional zur Empathie. …
Naja, jedenfalls, als ich gestern vor der – noch – verschlossenen Tür meines Urologen stand, um mir für die Bestimmung des Testosteronwertes Blut abnehmen zu lassen, hatte ich mich schon davon überzeugt, dass die ganze Aktion total Banane ist. Um es kurz zusammenzufassen: Als vor wenigen Wochen die depressive Stimmung einen vorläufigen Höhepunkt errreicht hatte, habe ich kurz über Psychopharmaka nachgedacht und das auch gegenüber meiner Therapeutin geäußert. Im Zuge dieses, nun gemeinsamen, Nachdenkens prüfen wir gerade auch die möglichen körperlichen (Mit-)Ursachen, so zum Beispiel den Testosteronspiegel. Alles gut nachgedacht, nur ging es mir schon bald darauf wieder gut, meint: normal-aushaltbar, und die Idee, Psychopharmaka einzunehmen ist so weit weg, wie sie es immer ist. Also sehr.
Vielleicht sollten wir Banane durch einen Begriff ersetzen, der zum Ausdruck bringt, dass die Aktion meiner Motivation um mehrere Wochen hinterherhinkt. Entsprechend hoch die Reibung und entsprechend gut passt meine vorschnell gewonnene Überzeugung ins Bild, dass ich im Vorfeld falsch informiert wurde und die Praxis geschlossen ist.
Nachdem ich dann gestern Abend mit Euch gemeinsam meinen Irrtum entdeckt habe, gab es heute morgen den – wenn wir es denn so nennen wollen – erfolgreichen Versuch, eine eigentlich sinnlose Aktion fortzuführen, einfach deswegen, weil wir sie begonnen haben. Oder der Therapeutin zuliebe. Oder weil es nicht schaden kann, körperliche Ursachen auszuschließen. Oder …, ach, es wird bestimmt noch weitere vernünftige Gründe geben. Egal, ich ziehe das durch.
Was die Reibung nicht weniger reibend macht. Zur Not greife ich zur Selbstsabotage. Heute morgen fällt mir nach einem Viertel der Strecke die Elektrounterstützung des Fahrrads aus. Ich habe vergessen, das E-Bike aufzuladen, was bisher nur einmal geschehen ist. Es ist einzig meinem Trotz (gerne auch mir selbst gegenüber) zu verdanken, dass ich nicht umkehre. Aber, denke ich mir, sollte nun aufgrund der erhöhten körperlichen Anstrengung mein Blutdruck steigen (der vermutlich wegen der ganzen unfreundlichen Gedanken in mir ohnehin schon leicht erhöht ist) und deswegen das Aneurysma platzen, das wäre sowas von verdient. Einfach Intuition mit Reibung verwechselt, ich hätte die Blutabnahme in die nächste Woche verschieben sollen, vielleicht auch komplett lassen. Kann ja nicht sein, dass ich wegen eines empathielosen Facharztes sterbe. Der Entschluss ist gefasst, sollte auch nur noch ein einziges Hindernis der Blutentnahme im Weg stehen, würde sie ausfallen, nicht nur kurzfristig, sondern komplett.
Gut, dass ab diesem Moment alles glatt lief.
<O>
Und die Moral von der Geschicht‘? Mit dem entsprechenden Mindset kann „einfach mal Blutabnehmen lassen“ wahnsinnig anstrengend sein. Also noch viel anstrengender, als der obige Text das andeutet. Gebt Euch das.





