25376

Ich bin heute gemeinsam mit Freundin A. zufällig an einem Einrichtungshaus vorbeigekommen, das vermutlich Ende des Monats schließt. „Alles muss raus!“, und das mit zum Teil erheblichen Rabatten. Und so kam es, dass ich mir nicht nur einen Webteppich kaufte, der mir sehr gut gefiel, sondern auch gleich die Stoffe, mit denen ich die Fensterfront abhängen möchte (im Bild auf dem Bett).Wer mich kennt weiß, dass beide Einkäufe sehr ungewöhnlich sind. Der Stoffkauf zwingt mich, mit neuen „Materialien“ zu arbeiten. Nicht wegen des Arbeitsprozesses, ich komme gut mit einer elektrischen Nähmaschine zurecht, sondern wegen „neu“. Ich mag gebrauchte Materialien unter anderem deswegen, weil Fehler dann leichter verschmerzbar sind. Bei den Vorhängen wird’s also drauf ankommen.

Und der Teppich ist einfach Luxus (an meinen Maßstäben gemessen), ich wusste nicht, dass ich ihn wollte, bevor ich ihn sah.

An dieser Stelle eine Erwähnung ehrenhalber für A., die mich bei unseren gemeinsamen Ausflügen immer wieder gerne zum Geldausgeben animiert. Ich brauche das. Sie kann das. Gutes Team.

25375 – Rahmen und Farbe

Mit meinen „2-Minuten-Schnellkopien“ habe ich anscheinend einen Punkt bei mir getroffen. Sie machen mir Spass und ich bin mit den Ergebnissen zufrieden. Heute so:Zugegebenermaßen keine große Kunst, nichtmal kleine, aber der bisherige Sieger im Zeit-Leistungs-Test, viel gutes Gefühl für wenig Einsatz. Und sagen wir als handgemalte Geburtstagskarte für einen befreundeten Menschen …, der würde sich doch freuen.

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Der Künstler, den ich da aus einem Bildband kopiere, heißt Otto Müller. Über den gibt es bei Wikipedia einen Artikel, der auch Kritik mehr als andeutet:

Eine kritische Aussage in der Ausstellung stellt fest, dass Muellers nackte Frauenkörper als „sexualisierend und objektifizierend“ aufgefasst werden könnten. Nach einer anderen Aussage seien Muellers Bilder von Sinti und Roma eine Fortführung herkömmlicher Stereotype über diese Volksgruppe.[8]

Letzteres ja, ersteres nein, solange ich auch draufschaue. Im Gegenteil, was mich an seinen Bildern fasziniert, ist die Beiläufigkeit der gezeigten Nacktheit. Es ist die Nacktheit der – gelegentlich als prüde beschimpften – FKK-Strände, nicht der Spelunken und Bordelle. Wikiart zeigt viel von seinem Werk, am besten, Ihr macht Euch selbst ein Bild.

Eigentlich zeigt Wikiart sogar zuviel von seinem Werk. Otto Mueller hat durch seine Frau Maschka sein gesamtes Frühwerk (überwiegend Ölbilder) verbrennen lassen. Erhalten sind nur gelegentliche Fotografien und was sich nicht mehr in seinem Besitz befand. Er hat sich mit diesen frühen Bildern, trotz technisch überzeugender Ausführung, nicht mehr identifiziert. Dass durch die chronologische Anordnung seiner Bilder auf wikiart, die wenigen erhaltenen Frühwerke den Rest des gezeigten „framen“ kommt mir falsch vor.

Wenn Euch also an den von mir gezeigten Skizzen irgendwas „sexualisierend und objektifizierend“ vorkommt, dann bin ich das, nicht Otto. Sorry, ist nicht so gedacht, aber im Zweifel nehme das mit Bedauern auf mich.

25374 – Limitierungen

Ich habe Euch schon sehr lange nichts mehr von meinen Zeichenübungen gezeigt. Das hat verschiedene Gründe, einer der wichtigsten ist, dass Fotos selbst von subjektiv gelungenen Sachen gnadenlos alle Fehler aufdecken (obwohl ich noch nicht ganz verstehe, warum das so ist). Ich mag das dann nicht mehr zeigen. Zum anderen kommt es mir gerade so vor, als ob ich keine Fortschritte mehr mache. Diesem Gefühl, auf einem Fähigkeitsplateau festzustecken, begegnen Künstler und Kunstlehrer damit, harte Limitierungen einzusetzen. Diese Limitierungen können alles betreffen, Technik, Palette, Material, Zeit, You-name-it. Mich erinnert das sehr an paradoxe Interventionen oder Symptomverschreibungen in der Therapie, es geht darum absichtlich „schlechte“ Kunst zu produzieren.

Ich habe mich heute mit einer Zeitvorgabe limitiert, außerdem mit ungeeignetem Material (Vokabelheft und dicker Filzer, so wie ganz zu Beginn meiner Übungen). Meine selbstgestellte Aufgabe: Vier Motive von Otto Mueller „schnellkopieren“, bedeutet: zu schauen, wie weit ich innerhalb von zwei Minuten mit einer Skizze der Vorlage käme.

Das sieht dann so aus:

Mensch sieht, schlechte Kunst kann ich gut! Nein, quatsch, mensch sieht, dass in jeder der Skizzen das Potenzial steckt, etwas halbwegs Überzeugendes zu machen. Was zu beweisen wäre, gerade die letzte Skizze des Liebespaares war so unfertig, dass ich es nicht dabei belassen konnte. Eine geschätzte halbe Stunde später sah die Schnellkopie dann so aus:

Das ist nicht richtig gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Ich bin zufrieden.

25373 – Schreiben

Manchmal ist es gut, wenn mensch darüber spricht. Oder schreibt. Gelegentlich frage ich mich (und wurde auch schon von anderen gefragt), warum ich eigentlich blogge. Die Antwort lautet: Aus ähnlichen Gründen, warum ich auch begann, Tagebuch zu schreiben. Schreiben ist eine etwas validere Art zu denken. Schreiben ist weniger experimentel als denken, oder anders ausgedrückt, der experimentelle Teil des Denkens findet vor der Niederschrift statt. Geschriebenes ist ein Endprodukt, oft genug nur vorläufig, dennoch. Niedergeschriebenes möchte ich vertreten können, idealerweise auch noch in einem Jahr. Bei „nur Gedachtem“ bin ich oft selbt noch unklar, wohin das – zuendededacht – führen könnte.

Durch diese subjektiv höhere Validität des Geschriebenen erhöht sich auch der Druck, eventuell notwendige Konsequenzen aus dem Gedachten zu ziehen. Das ist nicht immer angenehm und ich erinnere Dinge, die aufzuschreiben ich lange gezögert habe, einfach weil ich sie nicht auf diese gültige Art und Weise „in die Welt schreiben“ wollte. Ich wollte sie nicht wahrhaben; Unaufgeschriebenes ist im besten Fall im Vorhof der (immer subjektiven) Wahrheit.

In den positiveren Fällen ist eine niedergeschriebene Erkenntnis ein Aufruf zur Aktion. Konsequenzen wollen gezogen, Vorsätze umgesetzt oder Abhilfen geschaffen werden. Weil, wenn’s doch wahr ist …, ich meine, wenn’s da sogar steht …, also irgendwas sollte doch ghen.

Wie ich drauf komme, gerade jetzt? Nun, ich habe gestern ja von der „Reibung“ berichtet, unter der gerade meine Morgenroutine und besonders der kreative Teil derselben leidet. Und dass ich dem besondere Aufmerksamkeit schenken muss. Hmm, wenn’s doch wahr ist und da sogar steht … .

Kurz, ich habe heute mit gutem Erfolg etwas an meiner Morgenroutine geändert. Eine sehr kleine Veränderung, es genügte, die Bestandteile der Routine in eine andere Reihenfolge zu bringen, was sofort eine andere Dynamik in den Tagesbeginn brachte. Der Teil am Tablet kam ans Ende (mit der Option auszufallen), stattdessen begann ich mit dem Stift-und-Journal-Teil. Einer von mehreren Vorteilen, Stift und Journal lassen sich sehr viel besser in der Sonne auf der Terasse verwenden, als es das Tablet tut. Da kommt unerwartet noch viel mehr für einen guten Tagesstart zusammen.

Und weil das jetzt niedergeschrieben ist, mithin hohe subjektive – wenn auch vorläufige – Gültigkeit besitzt, werde ich das morgen wohl wieder so tun.

25372 – Nebenwirkungen

Montag. Neben wenig anderem ein Lebensmitteleinkauf und etwas Schreibtischarbeit. Ich versuche. nach der Nierenkolik wieder ins Alltagsleben zurückzukehren. Was erstaunlich schwierig ist. Schon vor der Kolik gab es ein paar Tage mit deutlicher „Reibung“ bei den Morgenroutinen, die Kolik hat sie dann ganz gestoppt. Und nun gibt es einen Teil in mir, der es am liebsten dabei lassen würde.

Nun sind diese verspielten, vertrödelten ersten Stunden des Tages diejenigen, die mich mit den mehr produktiven oder an Notwendigkeiten ausgerichteten Tätigkeiten des restlichen Tages versöhnen. Meistens beginnt diese Routine mit der „Zeitung“, den Neuigkeiten im Internet, gefolgt von irgendwas mit Stiften und  Notizbüchern, parallel dazu oft so etwas wie eine grobe Tagesplanung. Nach eineinhalb bis zwei Stunden kann ich dann beginnen, mich Dingen zuzuwenden, die auch nach konventionellen Maßstäben sinnvoll sind.

Im Moment bleibt es bei der „Zeitung“ und das gerne für den Rest des Tages. Der Zustand erinnert mich etwas an den, den ich während der Krebsbestrahlung als Fatique kennengelernt habe. Ich bin vollkommen zufrieden damit, dazusitzen und den Tag vorüberziehen zu lassen. Ähm, falsch! Ich bin gerade nicht damit zufrieden, aber zugleich auch nicht so richtig fähig, zu irgendwas in die Gänge zu kommen.

Das ist alles noch nicht wirklich tragisch und vielleicht viel zu früh, sich zu beklagen. Der Tag heute beweist, dass ich organisatorisch alles geregelt bekomme und funktioniere, wenn ich das muss (was, nur nebenbei, für meinen gesamten Umgang mit der Kolik und deren Behandlung gilt). Was fehlt, ist der Überschuss, das mit den Farben, der Freude und der Selbstzufriedenheit.

Nun muss ich temperamentsbedingt vorsichtig sein bei solchen Entwicklungen. Genau hinschauen ist angesagt. Das Feiern kleinster Schritte in die richtige Richtung bei maximaler Nachsichtigkeit mit sich selbst.

Meine große Hoffnung aber ist, dass es sich bei meinem gegenwärtigen Befinden um eine Neben- oder Auswirkung des Nierensteingeschehens handelt und alles sich von selbst und anstrengungslos wieder gesund einpegelt. Bin gespannt.