25368 – Geht so

Tag Drei der Nierensteingeschichte. Insgesamt und bei niedrigen Erwartungen ein guter Tag. Nach dem Aufwachen eine von sechs täglich-möglichen Einzeldosen des Schmerzmittels verwendet. Danach war es nicht mehr notwendig. Der Druck in der Niere ist während des Tages gleichbleibend spürbar, auch unangenehm, aber erträglich und unterhalb der Schmerzschwelle.

Ich bin noch immer sehr müde, werde nach diesen Zeilen auch ins Bett gehen, nach meinen sonstigen Maßstäben mitten am Tag (es ist kurz vor acht). Damit die Spannungskurve nicht zu sehr abfällt, fühle ich mich etwas warm. In einem ansonsten zu ignorierenden Bereich, aber ich habe noch den entlassenden Arzt im Ohr, der sehr betonte, dass ich bei Fieber sofort wieder auftauchen sollte. Weil das ein Hinweis auf eine Entzündung sei und damit alles sehr viel schwieriger zu behandeln sei.

Ich finde es sehr schwierig, die Balance zwischen notwendiger Selbstfürsorge und einfach Wegignorieren zu finden. Zumindest wenn nichts wehtut.

25367 – Schmerzen

Tag Zwei mit akuten Schmerzen der Niere wegen des Steins. Noch habe ich große Schwierigkeiten, einen funktionierenden Tag um die Schmerzen herum zu bauen. Seit heute morgen habe ich ein Schmerzmittel in Tropfenform, dessen tägliche Maximaldosis ich mir über den Tag verteilt frei zuteilen darf. Klar, es gibt Limits bei den Einzeldosen. Mit ein bisschen Rechnerei kommt mensch bei fünf bis sechs Einzeldosen alle zweieinhalb bis drei Stunden raus. Ohne die Nächte, vielleicht liegt hier ein Rechenfehler. Ich habe noch keine Erfahrung mit Nächten, die Länge der vergangenen Nacht war nach meiner Einordnung nicht wirklich „eine Nacht“, eher so „ich habe mal geschlafen, so um die fünf Stunden“.

Das Schmerzmittel braucht dreißig bis sechzig Minuten, um seine Wirkung zu entfalten und tut dies dann in Abhängigkeit von den vorhandenen Schmerzen. Letzteres musste mir in seinen Auswirkungen ersteinmal klar werden. Mit der ersten Gabe nach der Rückkehr aus der Apotheke war ich noch sehr hoffnungsfroh, es gab ein Zeitfenster von etwa einer Stunde, in dem ich komplett schmerzfrei war, danach setzten die Schmerzen langsam wieder ein. Ich stellte mir vor, dass das nun den Tag über so bliebe, eine lange Wellenbewegung durch Schmerz und Schmerzfreiheit bei allgemein schmerzgedämpften Niveau. Und so plante ich auch den Tag, insbesondere eine erneute Fahrt zur Apotheke und dem Lebensmitteldiscounter mit Nachbar D.. Was ich nicht bedacht hatte, die Schmerzen haben ihren eigenen, nur schwer vorhersehbaren Zyklus. Denn sie werden verursacht vom Rückstau des Urins in die Niere, erst staut es sich, wenn dann der Druck zu hoch wird kommt eine unbestimmte Menge am blockierenden Stein vorbei, der Druck und damit der Schmerz lässt nach. Problem: wann und bei welchem Druck das geschieht, ist nicht vorherzusehen. Und so musste ich durch zwei Einzeldosengaben des Schmerzmittels, ohne das dessen Wirkung deutlich spürbar war. Zum vereinbarten Zeitpunkt der gemeinsamen Fahrt war mir nach keinerlei Fahrt, wir sparten uns den Lebensmitteleinkauf und ließen es bei der Apotheke. Denn dort lag ein am Morgen bestelltes Medikament, das den Harnleiter aufweitet, was mir zu diesem Zeitpunkt sehr wünschenswert erschien.

Wieder zuhause konnte ich nur noch ins Bett, nicht, weil dadurch der Schmerz nachließe, sondern weil der Schmerz auf von mir noch unverstandene Weise auch müde macht. Vielleicht ist das ein Mechanismus zur Notabschaltung, vielleicht auch ein Reparaturmechanismus. Nun ist eine dreistündige Schlafphase am Abend kein besonders guter Einstieg in ein erholsame Nacht. Immerhin erwache ich nach dieser Zeit und bin kurze Zeit ohne Schmerzen. Gerade lange genug, um diese Zeilen zu schreiben, jetzt beginnt es gerade wieder, häßlich zu werden.

Ich vermute, ich werde die nächsten Tage damit verbringen, in diesem auf und ab eine Regel zu suchen, die es nicht geben kann beziehungsweise soll. Denn letztlich wäre ein regelhafter Zustand ein statischer Zustand, genau der Zustand, den mensch nicht will. Der Stein soll wandern, von innen nach außen, jeden Tag etwas mehr. Je schneller, desto besser. Ich hoffe sehr darauf.

25366 – Der Stein, der vom Herzen fällt

Wie mein Vater habe auch ich Nierensteine. Obwohl, bisher nur in der Einzahl. Zum Glück musste ich ziemlich alt werden, um das herauszufinden. Und dafür auch etliche Spezialisten beschäftigen. Heute.

Kurz, ich habe den Tag in Krankenhaus verbracht, nachdem ich morgens mit Schmerzen aufwachte, die ich zuerst für Muskelschmerzen im unteren Rücken hielt. Mit der Symptomentwicklung hin zu einem kleinen Herzinfarkt (Kreislauf wird schwach, Übelkeit, Hitzeschübe, Unruhe). Letztlich lag ich irgendwann auf meinem Boden, den ich noch kontrolliert selbst erreichen konnte, und rief die Sanitäter.

Mit der Herzvorgeschichte ging es dann die erste Hälfte des Tages darum, den Herzinfarkt auszuschließen. Nachdem das getan war kamen der Orthopäde und der Urologe zum Zug. Ein CT hat dann den Nierenstein bestätigt, der jetzt an einer Stelle sitzt, von der er vermutlich in den nächsten vier Wochen von selbst abgeht. Und dabei ebenso vermutlich Schmerzen verursachen wird.

Als Kind habe ich bei meinen Vater beobachten können, wie der in den Zeiten, bevor ein Stein abging, immer ziemlich mies drauf kam. Er hatte Schmerzen, über die er nicht sprach. Bin gespannt, was ich so erleben werde.

Um ein Quäntchen Gutes aus der ganzen Geschichte herauszuquetchen, mein Herz wurde heute sehr genau angeschaut und jeder der Begutachtetenden war mit dessen Zustand beziehungweise der Ausführung der Ersatzteileinbauten (künstliche Herzklappe) sehr zufrieden. Ich nehme davon mit, dass ich mir in der bevorstehenden Leidenszeit wenigstens keine Gedanken darum machen muss, wie das Herz das mitmacht. Der alte Pumpsack wird einfach seinen Job machen. Wenigstens das.