
In spätestens einem Monat wird’s das gewesen sein mit dem Sommer. Und ich sitze immer noch in den Startlöchern. Es ist das Gefühl, als könnte der aktivste Teil des Jahres jederzeit beginnen. Also jetzt, jetzt gleich …, ich müsste nur …, ist aber auch nicht sooo spannend, ich meine, wer braucht das, nichtmal ich, bisher funktionieren alle Provisorien bestens.
Was auch funktioniert: Bei den eher überschaubaren Kontakten mit Menschen vergleichsweise umgänglich zu bleiben. Anderen mit meinen depressiven Stimmungen nicht auf den Sack zu gehen, halte ich für wichtig. Hilft allen.
Was (vermutlich) nicht funktioniert: Zu verhindern, dass die depressive Stimmung trotzdem rüberkommt. Stimmungen teilen sich mit, da hilft nichts.
Womit wir neben der ausbleibenden Sommeraktivität bei einer weiteren neuen Facette des depressiven Geschehens sind: dem depressiv gefärbten Nachdenken darüber, wie ich auf andere wirke. Das war bisher nicht Thema, an manchen Stellen bin ich eitel (ohne dass mensch es mir ansieht), an anderen uneitel bis zur Vernachlässigung, niemals bewußt gepflegt, aber wenn ich das Haus verlasse bin ich geduscht, gekämmt und halbwegs passend angezogen. Folglich bin ich bisher sehr selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich den meisten Menschen egal bin und ein paar mich mögen. Die wenigen, die mich ausdrücklich nicht mögen, sind Menschen, mit denen ich einen der selten auftretenden Konflikte habe, die dürfen das und sind zu vernachlässigen.
Und an dieser im Grundsatz positiven Projektion hat sich etwas geändert. Minimal nur, aber wahrnehmbar. Sehr vorsichtig formuliert: Da ist Raum für die Vorstellung, dass manche Menschen mich mehr tolerieren als schätzen, dass sie auf meine Teilnahme an Event XY auch verzichten könnten und ganz allgemein ihr Zugewandheits-Level unterhalb von egal liegt. Das kenne ich so nicht von mir, das ist neu.
<O>
Das ist jetzt ein seltsam introvertierter Eintrag in einer Rubrik geworden, die sich ja eigentlich mit machen beschäftigt. Aber so ist das gerade, von mir geht wenig aus, mit Mühe reagiere ich auf äußere Anlässe und bin ganz allgemein in meinen sozialen Beziehungen etwas verunsichert.
<O>
Aber, um mit einer positiveren Note zu enden, das Gute an diesem unentschlossenen Zustand, der jederzeit „Sommerzeit“ werden könnte ist, dass es zwischendrin immer wieder gute Tage gibt, Tage, in denen etwas geschieht und ich mich wohlfühle. Einzelne Tage nur, aber immerhin. Die Aneinanderreihung solcher Tage ergäbe „Sommerzeit“, das funktioniert halt gerade nicht, aber heh, es ist nicht alles schlecht.
<O>
Es ist, wie’s immer ist, wer es tagesgenau braucht, darf hier 25505 – #widgtsm August 2026 weiterlesen


